Mittwoch, 16. November 2016

Café & Konditorei Niessen | Aachen 1891 bis 1995 | 2. Teil

Nachdem ich im ersten Teil

Café & Konditorei Niessen | Aachen 1891 bis 1995 | 1. Teil 


die Gründerzeit der Conditorei und des Café Niessen in der Aachener Pontstraße beschrieben habe, wende ich mich nun dem Jahr 1921 zu.

Im Oktober 1921 hat der im September 1893 geborene Mathias Nießen die Meisterprüfung als Konditor vor der Handwerkskammer Stuttgart bestanden und ist in die Fußstapfen seines Vaters Julius Niessen dem Älterem getreten.


Die Prüfung ward abgelegt worden am 28. Oktober 1921 in der Internationalen Lehranstalt für  Conditoren von Friedrich Hartmann in Stuttgart.


Es fällt auf, daß zu jener Zeit Frauen in diesem Berufsfeld anscheinend überhaupt nicht vertreten waren. Die Geschlechterrollen sind damals noch anders verteilt gewesen.

Auf dem folgenden Photo ist der Herr Mathias Nießen am Tag seiner Meisterprüfung, als zweiter von links mit seinen Kollegen an einem Tisch mit den Kreationen ihrer Handwerkskunst zu sehen.

 
Das sieht doch gut aus .... !

Es folgt eines meiner Lieblingsphotos aus dem Familienalbum der Frau E. Niessen aus der Pontstraße.

Es ist ungefähr das Jahr 1930.

Aufgenommen im damals üblichen schwarz/weiß, zeigt es den oben genannten Konditormeister Mathias Niessen an einem etwas kühleren Tag, mit seiner Frau Maria und ihrem Sohn Julius in einem Garten an einem Geländer stehend.

Der kleine Julius Niessen wurde im Juni 1927 geboren. Er ist auf dieser Aufnahme etwa drei Jahre alt und wird der spätere Ehemann von Frau E. Niessen werden.


Man trägt Mäntel oder hat sie zumindest in Griffweite und es werden Hüte getragen.

Besonders für dieses schöne Bild nochmal ein ganz großes Dankeschön an Frau Niessen.

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Im ersten Teil zu dieser Serie über das Café Niessen habe ich geschrieben:
In der Sammlung von Jorg Mühlenberg ist eine Aufnahme von der Pontstraße Ecke Augustinerbach veröffentlicht. Das Foto wurde während des Kaiserbesuchs am 19. Juni 1902 gemacht. 
Hinten um die Ecke ist rechts das noch immer bestehende Gebäude des heutigen Weinhaus Lesmeister zu erkennen.

Ich habe noch zwei weitere phantastische Aufnahmen aus dieser Zeit des Kaiserbesuchs, wo leider die Urheber-, Eigentümer- und somit auch die Veröffentlichungsrechte nicht eindeutig geklärt sind.

Diese Photos sind im Besitz von Frau Niessen und könnten Ihr von dem Herrn Peter Stressig überreicht worden sein, der bis vor einigen Jahren gemeinsam mit unserem verehrten früheren Oberbürgermeister Herrn Kurt Malangré in der Pontstraße ein Antiquitätengeschäft mit antiquarischen Schätzen betrieben hatte.

Heute habe ich mit dem Herrn Peter Stressig telefoniert. Er kennt die Frau E. Niessen auch sehr gut.

Ein leider nur kurzes aber dafür sehr freundliches Gespräch, in dem er mir erklärte, daß die erste Aufnahme zur Zeit des Kaiserbesuchs in Aachen im Jahre 1902 vermutlich aus einer alten Aachener Photosammlung stammt und die Urheber- bzw. Copyright-Rechte nach annähernd einhundert Jahren gemäß der Regelschutzfrist abgelaufen sind.

Gleiches gilt auch für die zweite Aufnahme, die noch früheren Datums sein muß.

Daher freue ich mich, diese beiden sehr seltenen und vermutlich noch nirgendwo veröffentlichten Aufnahmen nun zeigen zu dürfen und bedanke mich bei dem Herrn Stressig für seine freundlichen und erhellenden Worte.

Wir sehen den Kreuzungsbereich von links kommend die Straße Augustinerbach nach rechts gehend die Straße Neupforte. 

Der Deutsche Kaiser ist zu Besuch am 19. Juni 1902 in Aachen. Die Aachener Innenstadt ist allerorten festlich geschmückt.



Der Photograph steht in der Pontstraße und hat das Aachener Rathaus im Rücken.

Er knipst in Richtung des heutigen Weinhaus Lesmeister
In diesem Haus wurde 1928 von Gottfried Lesmeister im Parterre das Geschäft "Tabakwaren & Zigarren Lesmeister" gegründet. Näheres zur Geschichte dieses in fünfter Generation betriebenen Geschäfts ist in der Historie auf der Webseite zu entnehmen.


An dieser Ecke befinden sich heute das Sportgeschäft Pulsschlag (da, wo das Eckhaus mit dem Türmchen zu sehen ist), links daneben der heutige Terrassenbereich des Café Kittel, das Café Barbarella an der rechten Ecke zur Neupforte. Auf der linken Straßenseite gibt es heute einige Restaurants oder Eisläden.

Auf der rechten Straßenseite, da wo die Säule mit der Kaiserfahne oben drauf steht, befand sich bis April 2013 das wunderschöne antiquare Raritätenkabinett des oben genannten Herrn Peter Stressig und unseres früheren Oberbürgermeisters Kurt Malangré.

Heute werden dort Fahrräder verkauft.

Dieser Bereich wurde früher noch mitunter Beginenwinkel genannt. So nannte man eine abgehende Gasse in der Pontstraße, in der im 14. Jahrhundert die Beginen wohnten. (Quelle: packbierpeter)

Die Beginen lebten eine besondere religiöse Lebensform. (Quelle: hier)

Mehr über die Beginen und Begarden sind dem Link zu entnehmen.
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Das zweite Photo zeigt die selbe Ecke. Allerdings ist der Zeitpunkt der Aufnahme nicht oder nur schwer zu ermitteln. Es muß jedoch deutlich vor dem I. Weltkrieg (1914 bis 1918) sein und somit auch vor dem Kaiserbesuch im Jahre 1902.


Das Türmchen an dem Eckhaus mit der Nummer 31 fehlt (noch). Ein Geschäft für ´Fertige Betten & Bettflocken´ befindet sich in dem Gebäude. Der Inhaber heißt Anton Hahn.

Links daneben in dem Haus mit der Nummer 29 ist ein Geschäft für den "An- und Verkauf von alten und neuen Möbeln, Kleider und Schuhen". Der Inhaber heißt Leonard Piefer. Aus einem Fenster im ersten Stock schaut eine Frau hinaus.

Noch eine Stück links befindet sich in dem Gebäude mit der Nummer 27 die Kaffee-Handlung von M. Gerards. Auf dem Trottoir steht ein Mann mit einem weißen Kittel, der anscheinend eine Pfeife raucht. Auf der Fahrbahn rechts neben dem Handkarren stehen ein Mann und eine Frau. Beide sind schwarz gekleidet.

Und wieder ein Stück weiter links steht das vorgesetzte Haus mit der Nummer 25. 

Hier konnten sich die Herren bei einem Coiffeur mit dem Vornamen ´Franz` (der Nachname ist nicht sicher zu entziffern) das Haupt verschönern lassen. Das Geschäft nannte sich auch ´Salon zum Rasiren - Frisiren und Haarschneiden´.

Heute ist etwa hier der Außenbereich des Café Kittel.

Das Gebäude mit dem stufenförmigen Dachgiebel oben links könnte das noch heute stehende Haus Augustinerbach 2A sein, wo sich früher ein Geschäft für ´Porzellan, Steingut, Glas- u. Emaillewaren´ befand.


Rechts um die Ecke vom Bettengeschäft konnte man in der Pontstraße (das Straßenschild ist zu erkennen) ´Zuckerwaren und Beste Aachener Printen´ kaufen.
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So, liebe Freunde und Freundinnen der Aachener Geschichten. In diesem Artikel stecken 8 Stunden Arbeit drin. Ich hoffe, Ihr habt ein bißchen Spaß damit.

Beim nächsten mal geht es weiter mit der Zeit um das Ende des II. Weltkrieges und dem Wiederaufbau nach 1945.

Tschö wa und Adieda 
 

Kommentare:

  1. Hallo Tano,
    wenn man sich das zweite Photo genauer anschaut und mal in den Aachener Adressbüchern sucht, dann findet sich Folgendes:

    Adressbuch von 1898:
    Martin Gerards, Kleinhändler, Pontstraße 27
    Leonhard Piefer, NAdler, Pontstraße 29

    Anton Hahn ist dort nicht zu finden, aber damit könnte man doch die Entstehungszeit des Fotos bereits ein wenig einschränken, oder was meinst Du?

    Gruß Ralf

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  2. Grüß Dich Ralf

    Stimmt! Die Sache mit den alten Aachener Adreßbüchern ist eine gute Idee, das Aufnahmedatum einzugrenzen. Oft genug mach ich das auch, hatte es in diesem Fall jedoch nicht auf der Leitung ... ;-).

    Das Jahr 1898 ist ein gutes Datum mit einer gewissen Genauigkeit für das Datum der Aufnahme.

    Danke für den hilfreichen Hinweis und mit den besten Grüßen | Tano

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