Dienstag, 5. Mai 2015

Lütticher Straße | Die Spur der Steine

Den folgenden Beitrag hatte ich bereits am 17. Februar 2015 auf dem Katzentisch eingestellt.

Ich veröffentliche ihn nun auf der Vintage Lounge noch einmal, weil das Thema eigentlich sowieso hier her gehört hätte und weil es zu dem Steinkreuz an der Mauer des Jüdischen Friedhofs auf der Körnerstraße (Lütticher Straße) wohl in Bälde neue, bzw. erste Informationen geben könnte.


 Mittlerweile "arbeiten an diesem Fall" einige engagierte Bürger, bei denen ich mich schon mal vorab bedanken möchte.

Demnächst (hoffentlich) mehr dazu ...
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Das heutige Thema lautet: Meilensteine | Glockensteine  | Minutensteine | sonstige steinerne Rätsel
 
Auszug aus einem Kommentar zu meinem ersten Beitrag über die Lütticher Straße:
 

"Ich bin gespannt, was Du Interessantes aus dem Strassenabschnitt zeigen wirst, in dem Du wohnst. Meiner Erinnerung nach, gibt es dort nichts was einen vom Hocker haut. Aber das sieht jeder mit seinen Augen anders."

Nichts, was vom Hocker haut?

Gut, es wird etwas grüner und beschaulicher (vom Verkehr zeitweise mal abgesehen) und der Wald ist auch schon ziemlich dicht, aber neben den immer schöner werdenden Wohnhäusern, die oft genug auch schöne Namen tragen, gibt es einige seltsame Dinge, über die es sich lohnt, zu berichten.

Steinerne Zeugen der älteren und! jüngeren Geschichte hat es auf der Lütticher Straße nicht gerade wenige.

So z.B. das Gedenkkreuz für Gabi am Hoch-Grundhaus, wo einmal im Jahr eine Rose, eine Flasche Rotwein und ´ne Schachtel Kippen drauf liegen oder das bis heute für mich ominöse Steinkreuz an der Mauer des jüdischen Friedhofs an der Lütticher Ecke Körnerstraße.

In diesem neunten Teil über die kleinen Geschichten aus und über meine/r Straße soll es sich aber zuerst einmal um die sogenannten Meilensteine, Glockensteine und Minutensteine handeln.

Jahrelang hab ich vor allem über diesen halb-kugelförmigen Stein wenige Meter direkt vor meiner Haustür herum gerätselt. 


Man konnte fragen, wen man wollte, - niemand hatte auch nur einen blassen Schimmer, was es damit auf sich hat.

Erst nachdem mir hinsichtlich einer Recherche zu einem gänzlich anderen Thema zur Lütticher Straße der Herr N. v. Wersch einen Stapel alter abgescannter Zeitungsausschnitte zur Verfügung gestellt hat, konnte dieses Rätsel von mir als gelöst betrachtet werden.

Es ist einer der noch ganz wenigen in Deutschland auffindbaren sogenannten Viertelmeilen-Steine bzw. auch Glockensteine genannt, die in den Zeiten, wo man Entfernungen noch in Meilen gemessen hatte, aufgestellt worden waren, um Wegstrecken und Distanzen zu markieren.

Im Internet muss man lange nach ausreichenden Erklärungen suchen, um an nähere Erläuterungen zu gelangen.

Daher beschränke ich mich auf das Material vom Herrn N. v. Wersch, bei dem ich mich an dieser Stelle für seine Bemühungen bedanke (auch hinsichtlich des von ihm zur Verfügung gestellten reichhaltigen Materials zu weiteren Themen, die diese Straße betreffen).

Selbstverständlich habe ich mir vom Zentralarchiv des Zeitungsverlag Aachen GmbH die Genehmigung für die Veröffentlichung dieses, sowie weiterer Zeitungsartikel in diesem Blog eingeholt. Dafür geht mein Dank an Frau U. Wagemann vom Zentralarchiv.

Der folgende Artikel ist am 10. April 1980 in den Aachener Nachrichten erschienen und wurde von Herrn Hubert Beckers geschrieben, von dem auch die Photos im Bericht gemacht worden sind. Ich bedanke mich bei ihm dafür, daß er einiges Licht ins Dunkel gebracht hat.

Der Artikel in einem Stück ist wohl beschwerlich zu lesen, daher teile ich ihn in Abschnitte auf, zu denen ich einige Erläuterung und Bilder beifüge.





 1. Abschnitt

Der erste Abschnitt beschreibt u.a. den Meilenstein auf der Lütticher Straße in Fahrtrichtung Kelmis (B) linksseitig an der Stelle, wo es zur ehemaligen Zollsiedlung am Tunnelmund des Buschtunnels geht.




Er stammt wohl aus der Zeit der französischen Besatzung in den Jahren 1794 bis 1814, als die Lütticher Straße zu den großen Heerstraßen gehörte, ist aber straßenseitig mit dem preußischen Adler versehen.




Aus Kalksandstein bestehend, ist dieser Meilenstein etwa drei Meter hoch und wird in der Liste der Baudenkmäler von Aachen geführt.

Unter dem preußischen Adler ist die Entfernung von dieser Stelle nach Koeln mit 10 Meilen angegeben. Eine preußische geographische Meile betrug 7,420 Kilometer.




Zwischen diesen (preußischen) Meilensteinen standen die Viertelmeilensteine, die wegen ihrer charakteristischen Form auch Glockensteine genannt wurden und werden.

Davon gibt es im Aachener Raum noch zwei oder drei zu sehen. Einen in Aachen Brand, einen weiteren, völlig deplatziert am früheren Landesamt für Straßenbau auf der Karl-Marx-Allee und schließlich den nur wenige Fuß von meinem Haus entfernten Glockenstein mit dem hübschen Schäfchen drauf gesprüht.



Detail



Zwischen den Meilen- und den Glockensteinen befanden sich dann noch die Minutensteine. Der Abstand zwischen zwei Minutensteinen war die Strecke, die ein Wanderer binnen einer Minute durchschnittlich gehen konnte.

Diese nicht-metrischen Wegmarken wurde zu jener Zeit auch für die Ermittlung der Fahr- und Transportpreise der Postkutscher heran gezogen.

2. Abschnitt


Der zweite Abschnitt des Zeitungsartikels aus dem Jahre 1980 informiert darüber, daß bereits die Römer vor mehr als 1900 Jahren im Aachener Raum weitläufig Meilensteine aufstellten, mit denen sie Straßen in berechenbare Distanzen aufteilten. Es ist davon auszugehen, daß später diese Markierungen von den Preußen übernommen worden sind.

Und auch die Franzosen nutzen diese Wegmarken (die sie allerdings anscheinend mit einem anderen Maßsystem umsetzten)  bzw. stellten die napoleonischen Truppen an verschiedenen Stellen auch neue Meilensteine auf.





 3. Abschnitt

Der dritte Abschnitt nennt die Orte, an denen die Franzosen Meilensteine aufgestellt hatten, die mit dem französischen Adler versehen waren.

Das waren Stetternich (ein Ortsteil von Jülich) wo auch ein Glockenstein aufgestellt ist sowie Aldenhoven und Hoengen bei Alsdorf.

Unter der Administration der Preußen wurden 1822 die  napoleonischen Adler selbstredend wieder durch den preußischen Adler ersetzt.



Ein pdf-Dokument zur Geschichte und dem Bau der Lütticher Straße

4. Abschnitt

Der vierte Abschnitt nennt u.a. noch einmal die Distanzen an den Meilensteinen.



5. Abschnitt

Im fünften und letzten Abschnitt zieht Hubert Beckers sozusagen Bilanz.




Photo von Hubert Beckers

Dieses Bild von Hubert Beckers zeigt den Glockenstein (Viertelmeilenstein) am Grundhaus in der Nähe meines Hauses in Blickrichtung nach Aachen Zentrum.


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Lange rätselhaft war mir dieser Stein, der ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu meinem Haus an einer Hauswand befestigt ist.

Ein sogenannter OD-Stein.



Also noch trivialer geht es ja kaum Abgrenzungsmarkierung einer Ortsdurchfahrt. Dafür, daß ich da lange dran getüftelt habe, ist es nun wahrlich nicht sonderlich prickelnd ...
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Das, so mein Irr-Glauben, sollte eigentlich ein "vergessener" Minutenstein sein, ...



 ... ist aber lediglich ein schnöder Grenzstein an der Lütticher Straße Ecke Hasselholzer Weg am Grundstück des Montanenhauses.


Keine Ahnung, was dort begrenzt werden soll. Zu diesem Haus schreibe ich aber mal was Längeres.
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Das Rätsel vom steinernen Kreuz, welches sich an der Außenmauer des jüdischen Friedhofs an der Körnerstraße fast direkt an der Ecke zur Lütticher Straße befindet, harrt noch einer Lösung.




Man kann nichts entziffern und der einzige von dem ich weiß, daß er was weiß, an den komm ich irgendwie nicht ran.
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Immerhin! Ich finde es schön, daß es noch immer Menschen gibt, die die Gabi nicht vergessen haben.

Das Gedenkkreuz für Gabi in Richtung Kelmis/B auf der linken Straßenseite gegenüber dem Hochgrundhaus kurz vor dem ehemaligen Backsteinscheune mit der Hausnummer 321, in der sich heute die Firma REMEMBER Solartechnik befindet!!!




Sie kam – wie so viele auf diesem Straßenabschnitt - bei einem tragischen Unfall ums Leben. Das muss etwa kurz nach 1990 gewesen sein, wie sich der heutige Bewohner des ehemaligen Gärtnerhauses der von Halferns erinnert.

Einmal im Jahr werden auf dem Gedenkkreuz ein paar Blumen, eine Flasche Wein und eine Schachtel Zigaretten abgelegt. Da denkt noch immer jemand an sie.

Wird fortgesetzt ...

Kommentare:

  1. Diese Infos finde ich toll. Danke. P.H.

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    1. Gern geschehen. Freut mich ...

      Auch einige andere steinerne Rätsel konntet inzwischen gelöst werden. So die Geschichte des sogenannten Mordsteins an der Mauer vom Jüdischen Friedhof und die Angelegenheit mit Stein im Bereich Hasselholzer Weiher.
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      http://aachenvintage.blogspot.de/2015/11/aachen-die-spur-der-steine.html
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      http://aachenvintage.blogspot.de/2015/09/lutticher-strae-die-spur-der-steine-das.html
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      Einen schönen 2. Advent noch.

      PvD

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