Dienstag, 6. Januar 2015

Aachener Gesichter ...

... an die ich mich gerne erinnere.

Menschen, die dieser mittlerweile innerstädtisch und gesellschaftlich arg gebeutelten Stadt ein warmes Gesicht gaben, welches als liebenswürdig einzuordnen gewesen war.

Die Blumen-Frau am Aachener Markt 1978 mit ihrem stets gut bestücktem Handwagen.

Die Blumenfrau 1978

Der Banjo-Mann mit seiner Mundharmonika zwischen Aachener Dom und St. Foillan im Sommer 1978. Stets dabei die unvermeidliche Pulle Lambrusco.

Der Banjomannn 1978

Der Popcorn-Willi am Hof im Bereich der Romaneygasse 1978 mit Blick auf das frühere Porzellan-Geschäft Comm-Prümm welches leider 2013 seine Türen geschlossen hat.

Popcorn-Willi 1978

Unsere Biene Maja vor dem Café van den Daele in der Neuzeit.

Die Biene Maja

Der Berliner Losverkäufer vom Öcher Bend 1979 auf dem Aachener Markt.

Berliner Losverkäufer 1979

 Die Nervensäge aller Fußgängerzonen der Stadt im Jahre 1978.



Die singende Säge 1978

Die Klömpchen-Madame am Münsterplatz im März 1981.

Klömpchen-Madame 1981

Interessant auch die alte Fassaden-Werbung vom Gold- und Schmuckgeschäft Rüttgers in der winzigen und früher namenlosen gerade mal 13 Meter langen Gasse, die erst 2001 den Namen Hans-von-Reutlingen-Gasse erhielt.

Heute ist diese Fassade restauriert und in mehreren dort angebrachten Vitrinen werden wechselnde Ausstellungen gezeigt.

In dem linken Eckhaus mit dem Balkon befand sich damals die Kunst- und Gemäldegalerie Sebestyen, die heute in der Bismarkstraße ihren Sitz hat. In den früheren Geschäftsräumen der Galerie verkauft heute der Herr Tasin leckeres Eis.

Die Klömpchen-Madame lief den ganzen Tag durch die Stadt und verteilte ununterbrochen kleine Süßigkeiten an die Kinder, die ihr begegneten.
 
Klömpchen-Madame März 1981


Die Bilder von der Klömpchen-Madame hat mir der Fürst der Ponte freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen.


Ich vermisse die Geschäftsfrau Anneliese Schwartz vom Hof 14-16, die in einer Welt des späten XIX Jahrhunderts lebte, 

- den nicht immer pflegeleichten und gerne grantelnden "Hundemann" Hubert W., ...


... mit dem man bei einen Gläschen Sekt vor´m Domkeller auch schon mal ganz nett plaudern konnte,

- den Buchhändler Stephan K. von der ehemaligen Augustiner-Buchhandlung, dessen letzte Spuren nun auch in der virtuellen Welt gelöscht zu sein scheinen und nur noch auf meiner Festplatte sind,

- den Leo (Mandel-Leo) Flach mit seinem Mandelkörbchen, der im April 1981 sein 50-jähriges Dienstjubiläum als Straßenhändler feierte und im Juli 1994 im Alter von 86 Jahren verstarb, 

- oder die Frau Zimmermann, die früher jeden Tag völlig entspannt durch das Pontviertel spazierte auf der Suche nach ihrer dementen Schwester (die eh jeder kannte und bei Bedarf nach Hause brachte), wobei sie ständig eine große Tasche mit mehreren Thermokannen voll mit Kaffee und etwa zwei Dutzend Koteletts bei sich hatte, die sie bei der Gelegenheit an die damals zahlreichen Obdachlosen im Pontviertel verteilte.

Es gibt noch viele, die nicht mehr da sind ...

Entweder hab ich bedauerlicherweise keine Bilder von diesen liebenswerten Originalen der Stadt oder möchte sie nicht veröffentlichen oder sie sind noch halbwegs quietschvergnügt ...

Auch heute gibt es eine Vielzahl von Menschen in der Stadt, die ich gerne treffe und mit ihnen innehalte, um zu plaudern.

Dennoch ist heute vieles kalt und hässlich geworden und dem urbanen Größenwahn einer den Kapitalinteressen unterstellten Clique von Günstlingen anheim gefallen.

So sehen mittlerweile auch viele Gesichter in dieser Stadt aus ...

Ich erspare mir und Euch das einstweilen.

O o o o o 
   O o o o o
      O o o o o 

Die Aufnahme aus dem vorherigen Kopf-Photo ist von 1985 und zeigt die letzten Abrissarbeiten im Bereich Normaluhr/frühere Dunatstraße (Aufnahme von 1950), wo dann die Bundeszentralbank eine Landestelle drauf baute, die es inzwischen auch nicht mehr gibt.

Normaluhr 1985

 

Keine Ahnung, was dort jetzt drinnen ist.
- - - 

Photos vom Musikhaus Rödiger kommen in den nächsten Tagen und ein paar intrigante Tritte unterhalb der Gürtellinie bezüglich eines um sich greifenden innerstädtischen Konzentrationswürfel-Baustils aus dem "Menschenhasserhandbuch der Investorenarchitektur" (Quelle)

Amen! Einstweilen ... 

Kommentare:

  1. Solche Leute nannte man früher "Originale". Wenn du die Geschichten zu diesen Menschen erzählen kannst, wäre das großartig!

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    1. Vielen Dank! Entweder weiß ich nur ziemlich wenig über die oben genannten Menschen oder es ist ein wenig zu privat.

      Zu dem "Hundemann" hatte ich ja den Link mit eingestellt (die schwarze Schrift im Text, das sind die Links).

      Die Klömpchen-Madame war mir zwar mit Namen bekannt, und eine mit Legenden umwobene Frau wie die Berliner "Tüten-Paula" vom Ku´Damm ohne zu zetern, das war es dann aber auch schon ...

      Danke und Tschau ...

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  2. Hundemann: Schöne Geschichte. Auch wenn man sich dann zu Lennet Kann weiterhangelt. Im Zivildienst habe ich die Obdachlosen erlebt, die sich einmalig, wenn sie nach Mainz kamen, einen Heiermann bei uns abholen durften. Die haben dann gelegentlich ihre Geschichten erzählt. Da waren Ingenieure drunter ... entweder der Suff oder die Weiber haben sie aus der Spur gebracht, oft auch die Kombination von beidem.

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  3. Thea Zimmermann vom Bergdriesch erfreut sich immer noch bester Gesundheit. Nach wie vor eine gute Seele.

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    1. Danke für die Information.

      Das nehme ich mit großer Freude zur Kenntnis und bitte richten Sie ihr meine besten Wünsche aus.

      Ich würde sie gerne nochmal wieder sehen und was plaudern. Wir hatten uns über meinen damaligen Job im Café Plattform kennen gelernt. Eine feine Frau und - genau! - eine gute Seele ...

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  4. Werde ich gerne machen wenn ich sie das nächste mals sehe. Kann sie denn mit dem Namen "der Tano" was anfangen?

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    1. Oh! Das mit Sicherheit nicht! Unter diesem Blogger- und Foren-Nicknamen schreibe ich seit 2003.

      Frau Zimmermann hab ich kennengelernt in den mittleren Neunzigern im Bereich Veltmannplatz und Café Plattform. Sie kennt mit Sicherheit nicht mal meinen richtigen Namen. Zuletzt getroffen haben wir uns vor etwa 8 oder 9 Jahren auf dem Mini-Golfplatz der WABE im Stadtgarten hinter dem Spielcasino. Wir haben zusammen mit meinem Bruder Bockwürste gegessenen ... :-)

      Geht die Dame noch umher auf den Straßen des Pontviertels? Bei angenehmeren Temperaturen können wir uns ja mal auf einen Café in der Pontstraße treffen.

      Ich richte auf dieser Seite mal ein Kontakt-Formular ein, wo man bei Bedarf nicht-öffentlich kommunizieren kann. Rechts unten, unterhalb der Labels

      Danke für die Informationen und mit den besten Grüßen an Sie und Frau Zimmermann.

      Tano

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  5. damals in den 70er Jahren gab es auch noch den Leierkastenmann,er wohnte vorne am Karlsgraben.Damaligen Grüchten nach gehörte ihm dieses Haus und er wäre steinreich.

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    1. Danke für Ihren Kommentar.

      Vom alten Aachener Leierkastenmann hab ich leider keine Photos, sondern lediglich eine Zeichnung, die ich evtl. die nächsten Tage auf WDRdigit veröffentlichen werde.

      Und, - es stimmt! Der Leierkastenmann war sehr wohlhabend gewesen und besaß einiges an Grund- und Hausbesitz in Aachen.

      Gruß Peer

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